Ab nach Tunesien Als ich erfuhr, dass unser Landesverband nach Tunesien fliegt, war die Überraschung und Freude riesig. Für mich war es nicht der erste Flug, nach Korsika und Israel saß ich bereits im Flieger. Vom 12. – 19.02. in einer Zeit, wo es in Deutschland ungemütliches Wetter gibt, wollten wir uns unter der tunesischen Sonne wärmen. Für mich begann die Reise bereits am 06.02., denn ich vertraute der Deutschen Bahn und bestellte mir über deren Internetseite meine Umstiegshilfe plus Gepäckträger. Meinen Schieberolli hatten Jenny und Dirk bei einem Besuch in Freiberg schon mitgenommen. Das sollte zum Glück werden. Mein Zug fuhr 10:22 Uhr nach Chemnitz. Also bestellte ich mir mein Großraumtaxi für 09:45 Uhr. Ich hatte meinen nur selten genutzten Rollator mit. Auf dem Behindertenparkplatz am Freiberger Bahnhof erwartete mich – richtig geraten -, keine Umstiegshilfe. Das fing richtig toll an. Es standen auch keine Leute auf Gleis eins, weil der Zug auf Gleis vier abfuhr. Also blieb mir nichts weiter übrig 10:54 Uhr mit dem IC zu fahren. Ich schaffte dennoch locker meinen Anschlusszug nach Leipzig. Und dank vieler helfender Hände, bewältigte ich auch das Aus- und Umsteigen. Zweieinhalb Stunden hieß es auf dem Leipziger Hbf, zu überbrücken. Ein Teil der Mitreisenden traf sich am Taxistand des Leipziger Hauptbahnhofs, wo wir gegen 15:00 Uhr von unserem Taxi eingesammelt und zum Flughafen gefahren wurden. Die Spannung stieg bei Einigen besonders heftig an, denn es war ihr erster Flug. Ich kannte die beengten Sitzverhältnisse und wusste, wie schwierig es werden wird, mit dem Essen während des Fluges. Glücklicherweise saß ich am Fenster. Als es dunkel wurde, war zum Teil ein faszinierendes Lichtermeer zubeobachte. Nach zweieinhalb Stunden Flugzeit landeten wir gegen 21:30 Uhr auf dem internationalen Flughafen von Monastir. Unsere Gruppe musste warten, bis das Flugzeug leer war, denn wir benötigten ja unsere Rollis und Rollatoren. Unser Hotel befand sich in Hammamet. Das hieß noch einmal ca. zwei Stunden Busfahrt, denn wir waren die letzte Gruppe, die ihr Ziel erreichen sollte. Freundlich und auf Deutsch begrüßte uns der Nachtportier. Als erste Amtshandlung sollten wir die Einreiseformulare ausfüllen. Danach stand uns nicht der Sinn, weil einem Großteil der Gruppe dabei geholfen werden musste. Also wurde dieser Teil auf den kommenden Vormittag vertagt. Viel lieber betraten wir den noch offenen Speisesaal. Wer wollte, konnte noch eine Kleinigkeit essen. Die meisten bevölkerten lieber das noch geöffnete Restaurant, welches eigentlich gerade schließen wollte. Mit bitten und dem in Tunesien üblichen „Trinkgeld“ ließ sich schließlich doch noch etwas bewegen. Der Montag war zum Ausschlafen und Entspannen und zum Kennenlernen unserer Vorortreisebegleiterin da. Ihr Erscheinungsbild trügten meine Erwartungen keinesfalls, mehr Masse als Klasse. Irgendwo müssen die Reiseunternehmer anscheinend sparen. Den Nachmittag nutzten wir, um die nähere Umgebung zu ergründen. Den Fahrpreis des Taxis verhandelt man Vorort mit dem Fahrer. Alle Taxis sind Orangefarben und fahren noch irgendwie. Wir stellten uns an den Straßenrad, und hielten das nächst beste Taxi an. Innerhalb weniger Minuten standen uns genügend Taxis zur Verfügung. Der Rollstuhl bzw. Rollator wurde gerade so passend im Kofferraum verstaut und los konnte sie gehen, die Fahrt mit offener Kofferraumklappe. Andere Länder andere Sitten, dieses Sprichwort bewahrheitete sich noch des öfteren. Schon als wir losfuhren präsentierte sich der Himmel im schnöden Grau und die Temperatur war auch alles andere als wärmend. Als es zu regnen begann, machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Café. Eigentlich kein Problem, wenn nicht eine Riesentreppen uns an unserem Vorhaben hindern wollte. Doch weit gefehlt. Es kam uns ein Kellnertrupp von vier, fünf Mann entgegen und schon waren die Stufen überwunden. Für den Dienstagvormittag war eine Kutschfahrt mit anschließendem Kamelritt bei Einheimischen vorgesehen. Was nicht bekannt war, es gab nur eine Kutsche, die bis zum Stützpunkt der Kamele hinfuhr. Also wurde der Rest der Gruppe per Auto hingekarrt. Ich wusste schon von Israel her, was es heißt, auf einem Kamel zu reiten, geschweige erst einmal hinaufzugelangen. Jenny unterstützte mich bzw. ich sie oder wir uns. Als wir uns nach einigen Minuten danneingeschaukelt hatten im Rhythmus des Kamels, konnten wir auch einigermaßen die uns umgebende Natur wahrnehmen. Wer glaubt, Urlaub ist zum Erholen da, der irrt sich aber gewaltig. Ich wollte schon immer gern mit einem Quad durch die Gegend heizen. Fahrspaß pur sozusagen. Ich meldete mich also als Beifahrer, in diesem Fall als Mitfahrer an. Was ich nicht ahnte, an unserem Quad hing an der linken Seite die Kühlbox, mit den Getränken der gesamten Gruppe. Die Folge war, ich saß nicht optimal. Die Katastrophe begann erst richtig, während wir fuhren. Ich lag mehr, als ich sitzen konnte und der zunehmende Spasmus tat sein Übriges zum Gelingen. Das Gelände wurde zusehends steiniger und unwegsamer. Und das vorgelegte Tempo war nicht von schlechten Eltern, sodass einige Mühe hatten, folgen zu können. Thomas rammelte sein Quad sogar gegen eine Hausecke, mit späteren Folgen. Unser Trip ging weiter über Stock und Stein durchs Wasser über Hügel. Bei einem Zwischenstopp wanderte endlich die Getränkebox an ein anderes Quad. Am Ende der Verschnaufpause musste Thomas sein Quad gegen das Unsrige tauschen, um den Motor nicht endgültig zu ruinieren. Trotz der zuerst misslichen Sitzhaltung waren die gut zwei Stunden in Windeseile verflogen. Wie jeden Abend so klang auch der Dienstagabend im Restaurant aus, beim abendlichen Bingo und Animationsprogramm. Zur schon vorgerückten Nachtstunde brach allgemeine Aufbruchsstimmung aus. Mein Zimmermitbewohner begleitete seine neue Bekanntschaft aufs Zimmer und blieb bis 1:30 Uhr samt Zimmerschlüssel unauffindbar. Ich wusste auch keine Zimmernummer. Mir blieb nur übrig, mich an der Rezeption zu melden und irgendwie klar zu machen, warum und das ich nicht ins Zimmer kam. Einen Generalschlüssel gab es im Hotel nicht. Den besitzt nur der Direktor und der war nicht zu Hause! Es wurde weiter heftig telefoniert. Mit Erfolg, gegen 0:30 Uhr erschien dann eine herbeigerufene Putzfrau, mit dem ersehnten Zimmerschlüssel. Das ganz besondere Highlight, was sich fünf Leute unserer Gruppe gegönnt haben, war eine zweitägige Safaritour. Mit dem Bus durch fast ganz Tunesien. Das hieß für uns fünf, am Donnerstagmorgen war die Nacht bereits 4:30 Uhr zu Ende. Vorweg ist zu sagen, dass es an dieser Stelle unmöglich ist, alles erlebte, wiederzugeben. Vor allem aber, glaube niemals wirklich alles, was dir deine Reiseleiterin (von Neckermann) glaubhaft machen will. „Bitte nur leichte und sehr bequeme Bekleidung mitnehmen, im Süden und in der Wüste wird es sehr warm“, das waren ihre Worte und so stand es auf dem ausgereichten Merkzettel! Auf unserer Tour hat mich stark beeindruckt, dass es immer noch Menschen gibt, die in Höhlenwohnungen ohne Strom und fließendes Wasser leben. Wir durften und die Wohnungen aus nächster Nähe ansehen. Dank Evelyns großartiger Unterstützung konnte ich mir, bis auf ein Ereignis, alles mit ansehen und mit erleben. Selbst die Stufen des Amphitheaters waren uns nicht zu steil, um ganz nach oben und wieder herunterzusteigen.
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